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vom 11.03.2014

Ganz ohne Quote: Frauen machen Karriere im Handwerk

Die Statistiken zeigen: Immer mehr Frauen machen sich selbständig. So lag 2011 der Anteil weiblicher Existenzgründer in Deutschland bereits bei 42 Prozent. Top ausgebildet fürs Berufsleben stellen sich viele Handwerkerinnen der Herausforderung Unternehmertum und machen ihre Karriere- Träume wahr. 4.418 Frauen haben im Jahr 2011 eine Meisterprüfung im Handwerk absolviert. Seit Mitte der neunziger Jahre stieg die Frauen- Quote bei den Meisterprüfungen steil an: von 11,1 Prozent im Jahr 1996 auf 19,2 Prozent 2011. Vor allem in medizintechnischen Berufen wie dem Augenoptiker- oder dem Hörgeräteakustiker-Handwerk hängen die Spezialistinnen ihre männlichen Kollegen ab. Doch auch in Männerdomänen wie dem Kfz- oder Maschinenbaugewerbe wagen Frauen den Vorstoß in die Selbständigkeit. Vom Hörsaal in die Werkstatt - und auf den Chefsessel Für Kfz-Meisterin Simone Palm führte der Weg zum Handwerk über Gesetzestexte: Die Berlinerin begann nach dem Abitur zunächst ein Jurastudium. Doch bei all dem Brüten über Büchern und Paragrafen sehnte sie sich bald nach einer Tätigkeit mit mehr Praxisbezug. "Ich wollte unbedingt mit Autos arbeiten." Ihre Entscheidung hat die heute 48-Jährige nie bereut. Vor zehn Jahren wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit. Gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Anna Kennerknecht, einer Betriebswirtin, leitet Simone Palm seit 2003 die BOSCH-Service-Werkstatt AUTOVIVA in Berlin-Spandau. Mit ihrem Diesel-Service helfen sie sogar Nutzfahrzeug-Werkstätten, wenn diese mit einem Problem an einem Dieselaggregat nicht zurechtkommen. Ihre Rolle als Geschäftsführerin fordert von der Kraftfahrzeugexpertin neben technischem Know-how auch Manager-Qualitäten. Immerhin gilt es, acht Mitarbeiter zu koordinieren, Endabnahmen durchzuführen und die Buchhaltung zu kontrollieren: "Als Selbständige bin ich für alles selbst verantwortlich, mein eigener Chef und erste Ansprechpartnerin für Mitarbeiter und Kunden. Das ist mir wichtig", erklärt Palm. Auch wenn sie nur wenige Frauen an der Spitze eines Kfz- Betriebes kennt, sieht die Unternehmerin in der Kfz-Branche Zukunftspotential für weiblichen Nachwuchs: "Der Mechatroniker von heute steht mit dem Laptop in der Werkstatt. Da sind keine Muskelmänner, sondern kluge Köpfe gefragt." Werben für das Metallhandwerk Zufriedene Kunden, Hightech und viel Verantwortung: Auch Helma Hartgen kennt sich mit den Herausforderungen des Unternehmertums im Handwerk aus. Seit 1997 führt die Geschäftsfrau aus Hude bei Oldenburg ihren eigenen Betrieb für Maschinen- und Anlagenbau. Als Geschäftsführerin der Hartgen GmbH Maschinen- und Mühlenbau trägt sie Verantwortung für 30 Mitarbeiter, darunter vier Auszubildende. Darauf vorbereitet hat sie sich unter anderem durch diverse Weiterbildungen im Bereich Betriebswirtschaft im Handwerk: "Als technische Zeichnerin habe ich außerdem gelernt, Maschinenbaupläne zu lesen. Diese Fähigkeit ist bei der Konstruktion und Wartung der Produktionsmaschinen sehr wichtig", erklärt Hartgen. Trotz ihres fordernden Berufs engagiert sich die Handwerkerin ehrenamtlich bei der Metallinnung Oldenburg: An Schulen der Umgebung wirbt sie für das Metallhandwerk, gerne auch beim weiblichen Nachwuchs. Die Unternehmerin fühlt sich wohl in der sogenannten Männerbranche. "Bei meinen Kunden und Mitarbeitern spielt es keine Rolle, dass ich eine Frau bin", sagt Hartgen. "Und immerhin sind ein Fünftel meiner Angestellten weiblich." Ihr Erfolg blieb nicht unbeachtet: 2012 wurde Helma Hartgen für ihre erfolgreiche Unternehmensführung vom handwerk magazin als "Unternehmerin des Jahres" ausgezeichnet. Mit ihrem langjährigen Erfolg sind Simone Palm und Helma Hartgen nur zwei Beispiele die belegen: Das Handwerk ermöglicht Frauen vielfältige Karrieren - ganz ohne Quote.

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